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Thema: Stimmbildung - Wie kriege ich eine gute Stimme

  1. #1
    DDD-Mitglied Spammer Benutzerbild von Sheitan
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    Stimmbildung - Wie kriege ich eine gute Stimme

    Hallo Zusammen,
    Ich habe in einem anderen Thread der Community versprochen eine kleine Einführung in die Stimmbildung zu geben. Hier ist sie nun endlich.

    Ich möchte bemerken dass ich weder ausgebildeter Sänger, Gesangslehrer oder sonstwas bin, sondern einfacher Student. Ich habe als Hauptfach Musik, und habe dadurch 1x pro woche ne Stunde Gesang – Theorie und Praxis. Von dort habe ich das grundlegende Wissen über die Stimme und wie sie Funktioniert. Darum gebe ich hier die Folgenden Informationen ohne Garantie und Gewähr, und lasse mich auch gern verbessern wenn ich Mist erzähle.

    Ich werde erst mal alles erklären, und mit einigen Beispielen erläutern, am Ende stelle ich eine Übungsreihe zusammen. Die beiden Teile unterscheiden sich in der Reihenfolge. Im ersten Teil habe ich das ganze Theoretisch aufeinander aufgebaut, im zweiten Teil habe ich es praktisch aufeinander aufgebau, in der Reihenfolge in der man die Übungen machen sollte.

    Ich habe nun gemerkt vieles sind Übungen welche sich auf einem Ton machen du einen Ton singen musst, das Sprechen ist jedoch auch nichts anderes als Töne von sich geben, darum aktiviert dieses wenige Singen deine Stimme genauso wenn nicht besser
    [h1]Stimmbildung[/h1]
    Wie funktioniert die Stimme? Wir lassen Luft durch unsere Stimmlippen strömen, dadurch fangen diese an zu schwingen, durch Resonanzen wird dieser Ton verstärkt, mit unserem Mund schlussendlich wird der Ton zu Wörtern geformt. (Das ganze jetzt mal ganz vereinfacht)
    Damit hätten wir schon mal alle Aspekte auf welche ich mich Konzentrieren werde in dieser Einführung:
    -Wie bringe ich die Luft am besten in Gang? Atemstütze!
    -Atemtechnik
    -Richtige Haltung zur Bildung des Tones
    -Bewusstwerden & Aktivieren der Resonanzen
    -Bildung der Sprache

    [h2]Die Atemstütze[/h2]
    Alles beginnt mit der Luft. Normalerweise studiert man während des Sprechens nicht gross über die Herkunft der Luft nach, dies jedoch ist sehr wichtig.

    Zum einen hat man es bei andauernder Luftknappheit sehr schwer zu sprechen, zum andern kriegt man bei total ungleichmässigem Luftmanagement keinen geraden Ton hin. Erstrebenswert ist es beim Sprechen so wenig Luft wie möglich zu brauchen. Dass heisst keine Luft verschwenden, aber dazu immer eine Gewisse „Spannung“ haben, damit die Stimmlippen in Gang gehalten werden. Braucht man viel mehr Luft als nötig tönt die Stimme verhaucht anstatt satt.

    Im Gesang gibt es einen Test welcher genau diese Atemstütze überprüft, man singt laut einen Ton, und hällt eine Kerze vor den Mund, Ziel ist dass diese nicht zu flackern beginnt, dies ist das Zeichen dass man keine überschüssige Luft braucht.

    Wie also atmen? Die meinung dass man mit der Brust atmet ist weit verbreitet, viel zu weit, die Brust hebt sich, man atmet ein, die Brust senkt sich man atmet aus. Ziel ist es jedoch mit dem Bauch zu atmen, von diesem aus kriegt man nämlich den benötigten Druck für einen sauberen Ton.

    Versuche erstmals in den Bauch zu atmen. Das ist eigentlich ganz einfach, lege deine Hand auf den Bauch, wenn du nun einatmest versuchst du dass die Brust möglichst still bleibt, aber sich dein Bauch hebt, versucha ganz natürlich so zu schnaufen. Wenn du das mal wirklich kannst, halte deine Hände in die Flanken (links und rechts vom Bauch, versuche nun diese Partie beim einschnaufen auch so gut wie möglich zu weiten.

    Wenn du dies beherrschst kannst du mal weitergehen. Sprich nun laut die Konsonanten P T G langsam nacheinander aus, jedoch nur die laute, also kein Pe, Te, Ge, eF, nur PTGF. Bei jedem Konsonanten solltest du die luft aus dem Bauch herholen, also die Bauchmuskeln spannen sich mehr oder wenig an vor dem Konsonanten um den Druck zu erzeugen. Das gleiche kannst du mit S SCH F, oder TS TSCH PF machen. Eine weitere gute Übung um das Zwerchfell zu aktivieren (Bauch), ist zu Hecheln wie ein Hund, wobei ihr versucht dabei ausschliesslich den Bauch zu brauchen (kann sein dass einige von euch das nicht herkriegen, nicht so schlimm, lasst ihr es halt oder versucht es weiter ^^)

    [h2]Atemtechnik[/h2]
    Ich komme nochmals auf das Ideal zurück, so lange wie möglich sprechen = nicht viel Luft brauchen, und so kurz wie möglich einatmen = effektiv einatmen. Wie atme ich nun effektiv ein? Das Fachwort nennt sich „Abspannen“.

    Die allgemeine Vorstellung von Einatmen ist „die Luft hereinziehen“, dabei ist jedoch unter anderem die Gefahr da dass man viel zu viel Luft als benötigt einsaugt. Viel effektiver und schneller geht es wenn man die Luft einströmen lässt. Wenn man die Luft aus der Lunge herauslässt, bildet sich dort einen Unterdruck, genau diesen kann man benutzen um die Luft passiv hereinströmen zu lassen, dazu muss man nur alles locker lassen, „abspannen“ und schon strömt die Luft in die Lungen.

    Um dies zu veranschaulichen eignet sich eine Übung besonders gut: Sing einen Ton so lange wie möglich, bis ihr keine Luft mehr habt, danach wartet ihr etwas mit einschnaufen bis ihr den Lufthunger spürt, und dann lasst ihr einfach den Bauch, Rachen, Brust los, ganz locker, ohne aktiv einzuschnaufen, dabei sollte einfach Luft einströmen in eure Lunge. Ihr denk vielleicht das ist doch nur wenig Luft, nur braucht ihr in der Regel auch nicht mehr, wenn ihr mehr nehmt kann es schnell passieren das ihr zu viel habt und diese nicht mehr gut kontrollieren könnt.

    [h2]Haltung[/h2]
    Die Haltung ist nicht nur wichtig um selbstbewusst herüberzukommen und somit zu unterstreichen was man sagt, sondern auch damit der Ton besser gebildet werden kann. Im Gesang gibt es bei der Haltung sehr viel zu beachten, ich denke im Sprechen beschränke ich mich auf das nötigste was die Bildung des Tones und die Resonanzen beeinflusst.

    Wie allen klar sein sollte wird der Ton im Hals gebildet (veranschaulicht euch das aber ja nicht beim sprechen, dazu später mehr). Wenn ich nun den Kopf gesenkt habe verengt das meinen Kanal in dem die Luft durchgeht, und drückt das auf den ganzen Sprechapparat (ich verzichte die einzelnen Teile anatomisch hier zu erklären). Seid euch dessen bewusst.

    Was jedoch auf der andern Seite auch wieder zu vermeiden ist sich zu verspannen, steifen Hals usw. Dies wirkt sich fest auf den Sprechapparat und die Resonanzen aus. Man muss also versuchen so locker wie möglich zu sein. Dies wird mit einigen anfänglichen Übungen gemacht.
    Für Übungen dazu siehe den Übungsplan am Schluss.

    [h2]Resonanzen[/h2]
    Ein Song kann noch so geil sein, wenn man ihn mit einem beschissenen Handylautsprecher abspielt tönt er halb so gut. Was in diesem Beispiel der Lautsprecher ist, noch besser gesagt der Verstärker, sind bei uns die Resonanzen, nur dass diese Resonanzen noch viel mehr können.

    Die Schwingungen, also Töne welche durch die Stimmlippen erzeugt werden, werden von den Resonanzräumen verstärkt. Nun überlegt euch wo ein Ton besser klingt, in einer grossen Steinhalle, oder in nem kleinen Zimmerchen mit Tapeten. Resonanzen sind das A und O um zu einem guten Ton zu kommen.

    Von den Stimmlippen kommt ein Mischmasch von Schwingungen her, dieses Mischmasch wird dann gefiltert, einige Schwingungen abgedämpft, einige verstärkt. Dazu ist zu sagen wenn ich einen Ton singe, klingt nicht nur ein z.B. A mit 440 Hz, sondern ganz viele verschiedene Töne mit, diese Formanten wie man sie nennt, machen die Klangfarbe aus. Das gleiche passiert bei den Vokalen.

    Singt ein O auf einem Ton, und welchselt den gleichen Ton beibehaltend auf ein E, dann auf ein I und auf ein A. Bei jedem Vokal klingt der Ton anders, obwohl es der gleiche Ton ist.
    Resonanzräume sind Nase, Nasennebenhöhlen, Mund, Rachen, Schlund, Pauken-, Augenhöhle und Brustraum.

    Versuche nun mal einen Ton in jedem der Resonanzräume vorwiegend zu singen, ganz im Hals hinten, in die Maske (Gesicht, dabei halte einen Finger auf die Nasenwurzel und stelle dir vor dort herauszusingen), Halte die Nase zu, oder versucht im Nasenbereich zu singen.Überall wird der Ton anderst klingen, wenn du jedoch alles locker lässt, gibt es den sattesten und schönsten Ton.

    Der Rachenraum (das Ansatzrohr um genau zu sein) ist die emotionale Komponente bei eurer Stimme, seid ihr also traurig, ist dieses verengt, und eure Stimme klingt anders, seid ihr euch eurer Sache sicher, ist dieses entspannt und geweitet, und eure Stimme klingt voll und fest.

    [h2]Bildung der Sprache[/h2]
    Hals, Zunge, Lippe, Kiefer und Gaumen sind verantwortlich für die Präzise Bildung der Sprachlaute. Darum müssen diese locker sein, sich frei bewegen können und präzise und genau funktionieren.
    Für Übungen siehe Übungsplan.


    [h1]Der Übungsplan[/h1]
    [h2]Haltung & Lockerung[/h2]

    [h3]Übung 1 (Aktivierung, Lockerung)[/h3]
    Klopf deinen ganzen Körper mit deinen Handflächen ab, fange bei der Brust an, gehe tiefer, linkes Bein, Rechtes Bein, Rücken wo du dazukommst, Nackengegend, Wangen.

    [h3]Übung 2 (Haltung)[/h3]
    Hebe deine Arme nach oben, und strecke dich so fest wie möglich himmelwärts, wie wenn du etwas ganz weit oben erreichen möchtest, lasse dich danach fallen, die Arme vorne runter, beuge dich nach vorne, lass die Arme ausschwingen. Bleibe etwas in der Position, ganz locker, Oberkörper baumelt vorne rum, die Beine sind nicht durchgestreckt. Richte dich danach ganz langsam auf. Vorstellung: Rippe für Rippe richtest du dich gerade, der bleibt bis ganz am schluss wo du ihn auch gerade aufrichtest hängen.

    [h3]Übung 3 (Haltung)[/h3]
    Pack dich an deinem linken Nackenteil (zwischen Schulter und Hals) mit der rechten Hand, und drücke für 15sek so fest wie möglich zu, auch wenns weh tut. Lass los und vergleiche die linke und rechte Schulter, die linke sollte lockerer sein, nun machst du das gleiche noch auf der anderen Seite. Alternativ geht natürlich auch dass dich jemand massiert.

    [h3]Übung 4 (Haltung)[/h3]
    Sei ganz gerade mit dem Körper, schliesse die Augen und fang an wie ein Baum im wind zu schaukeln, in Kreisbewegungen. Das Gewicht wird auf dem äusseren Rand deiner Füsse sein, nach einer weile findest du dann langsam dein Zentrum und wirst still.

    [h2]Atmung & Abspannen[/h2]
    [h3]Übung 1 (Zwerchfell aktivieren)[/h3]
    Hecheln wie ein Hund, mach dies jedoch nicht zu lange da es dir dabei leicht schwindlig werden kann.
    Ansonsten / dazu, die Konsonanten P, T, G, oder S, SCH, F, oder, TS, TSCH, PF erst langsam danach immer schneller sagen. (nur die Laute, nicht der Buchstabe)

    [h3]Übung 2 (Zwerchfell)[/h3]
    Lasse dich fallen wie in der oberen Übung zur Haltung, und pumpe dich mit 3 starken F (luftstrahl) wieder gerade.

    [h3]Übung 3 (Flankenatmung)[/h3]
    Beuge dich wieder vorne runter, und halte deine Hände in die Flanken, nun versuche dort hineinzuatmen.

    [h3]Übung 4 (Aufrechterhaltung der Stütze und Abspannen)[/h3]
    Halte deinen Daumen ca. 50cm vor deinen Mund, und stell dir vor das ist eine Kerze die du ausblasen musst. Nun pustest du mit einem konzentrierten Luftstrahl diese Kerze aus, der Druck kommt vom Bauch aus, du pustest nun so lange in einem Strahl bis du keine Luft mehr hast, du wartest einen Moment bis du den Lufthunger spürst, und lässt dann deinen Bauch, Halsraum, Brust locker, du spürst wie die Luft in deine Lunge strömt. Passiv! Nicht aktiv einatmen.

    [h2]Resonanzen[/h2]

    Die Resonanzen machst du dir am besten bewusst / aktivierst durch singen (hört niemand zu, nicht so schlimm wenn du es nicht so kannst.

    [h3]Übung 1 (Nasen/Rachenraum)[/h3]
    Singe auf ng (wie bei „siNG!“) eine gebundene(keine einzelnen Töne, nicht absetzen dazwischen) Linie aufwärts und runter, du kannst auch in die Kopfstimme gehen (wie wenn du eine Frau nachmachen willst, ganz hoch, Loco / Falsettstimme). Die Stellung welche dein Kiefer und Mund haben sollte ist wie wenn du Gähnen würdest, kannst auch direkt aus dem Gähnen in diese Übung übergehen. Singe so lange du willst rauf und runter. Du kannst es erst leise machen und dann lauter werden.

    [h3]Übung 2 (Maske)[/h3]
    Mache das genaugleiche wie bei Übung 1 nur auf einem M, die Lippen zusammen, und eine gebundene Linie. Als Vorbereitung zu dieser Übung kannst du dir das Gesicht massieren: Streiche deine Stirne glatt, massiere deine Augenbrauchen, massiere deine Wangenknochen, streiche von hinten am Gesicht zum Mund vorne. Nun stelle dir vor du hättest ein 3. Auge auf der Stirn ob der Nasenwurzel und würdest das M dort raussingen. Das nennt man „in die Maske singen“

    [h2]Der Sprechapparat[/h2]
    [h3]Übung 1 (Unterkiefer)[/h3]
    Den Unterkeifer erst schnell rauf und runterbewegen ca 10sek lang, danach das gleiche seitwärts. Danach kannst du dein Kinn mit einer Hand packen und den Unterkiefer (den du locker lässt) so bewegen.

    [h3]Übung 2 (die Zunge)[/h3]
    a)Zunge so weit wie möglich rausziehen, so einige Sekunden bleiben, und so rasch wie möglich in den Mund zurückziehen, flach und passiv, Spitze am unteren Zahnfleisch, 5-10mal
    b)Zungenspitze gegen den hinteren Gaumen stemmen, sie dann rasch nach vorne zwischen die zahnreihen legen, 5-10mal
    c)Halte den Mund geschlossen, und erkunde mit der Zunge deinen ganzen Mundraum, streichen den Zähnen nach, erkunde deinen Gaumen, deine Backen usw.

    [h3]Übung 3 (die Lippen)[/h3]
    a)Lippen stark nach vorne stülpen (Schnute), dann sie in die Breite ziehen, „bis zu den Ohren“. 5-10mal
    b)Mit den Lippen „das Getöse eines Motorrades“, oder „das Schnauben eines Pferdes nachahmen“


    [h3]Übung 4 (das Gaumensegel) [/h3]
    Um das Gaumensegel zu aktivieren kannst du etwas schnarchen.

    [h1]Nachwort[/h1]
    Ich möchte hier noch anfügen dass im Gesang nun noch Singübungen kämen. Da ich diese hier schlecht bringen kann, belasse ich es mal bei diesen grundlegenden Übungen, ich Gujakol eine PM geschickt damit er mir vielleicht noch einige praktische Sprechübungen schreibt. Ich werde diese dann hier ergänzen.
    Was ihr jedoch bis hier gelernt habt ist die Technik WIE ihr richtig sprecht. Denkt also etwas an diese Tipps beim Sprechen, macht ab und zu die Übungen, und ich hoffe mal eure Stimme wird sich verbessern.
    Geändert von Sheitan (09.12.2007 um 18:47 Uhr)

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